Selbstwert & Beziehung
Teil 2 – Eifersucht
Geringer Selbstwert – Warum das deiner Beziehung schadet und was du dagegen tun kannst
Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.
– Franz Grillparzer
Eifersucht – ein Thema, das viele Beziehungen belastet. Doch was ist Eifersucht eigentlich? Grillparzer beschreibt sie als etwas Leidenschaftliches, das Menschen antreibt, nur um am Ende Leid zu schaffen – bei dir selbst und bei den Menschen, die du liebst. Aber ist Eifersucht wirklich so schlimm? Bedeutet sie automatisch das Ende einer Beziehung?
Gesunde Eifersucht: Mehr Salz als Gift
Es gibt sie, die gesunde Eifersucht. Sie ist wie das richtige Maß Salz in der Suppe – ein ganz normaler, psychosozialer Vorgang. Wenn dir jemand wichtig ist und du diesen Menschen nicht verlieren möchtest, spürst du vielleicht eine gewisse Angst, wenn dein Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit in Gefahr zu sein scheint. Und das ist okay.
Gesunde Eifersucht kann sogar Beziehungen lebendig halten. Sie zeigt, dass dir dein Partner oder deine Partnerin wichtig ist. Das hat auch Herr L. erlebt: Die Eifersucht seiner Frau schmeichelte ihm. Sie gab ihm das Gefühl, dass er ihr viel bedeutet, dass sie ihn attraktiv und besonders findet. Dadurch fühlte er sich inspiriert, ihr ebenfalls zu zeigen, wie sehr er sie schätzt.
Das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit ist essenziell in einer Beziehung. Es ist das, was wir beschützen und bewahren wollen. Doch wenn Eifersucht von Unsicherheit und Angst gefüttert wird, kann sie schnell zu einem Problem werden – und die Wurzel davon liegt oft in einem geringen Selbstwertgefühl.
Ein geringer Selbstwert füttert die Eifersucht
Es sind oft deine inneren, abwertenden Gedanken, die Eifersucht anheizen. Gedanken wie:
- „Ich bin nicht gut genug.“
- „Ich bin nicht attraktiv genug.“
- „So jemand wie ich kann doch gar nicht geliebt werden.“
- „Was, wenn er/sie merkt, dass ich gar nicht so toll bin?“
All diese Gedanken haben ein Ziel: Sie machen dich klein. Sie sagen dir, dass du nicht liebenswert bist, dass andere mehr zu bieten haben. Das Gemeine daran? Diese Gedanken sind nicht wahr. Sie sind da, um dich zu bremsen und in einem Gefängnis aus Selbstzweifeln zu halten.

Ein Beispiel aus der Praxis
Frau K. hat das jahrelang erlebt. Schon als Kind musste sie sich beweisen. Ihr Stiefvater verurteilte alles, was sie tat: Gute Noten hätten besser sein können, ein zweiter Platz im Sport war nicht gut genug, und selbst ihr Aussehen wurde kritisiert. Nie war sie genug.
Später heiratete Frau K. einen Mann, der sie genauso behandelte wie ihr Stiefvater. Sie versuchte, es allen recht zu machen, bis sie irgendwann zusammenbrach. Ein Burnout und ein Klinikaufenthalt halfen ihr, diese Muster zu erkennen. Heute, fünf Jahre später, weiß sie: Diese verletzenden Gedanken gehören zu einem kleinen, aber unwichtigen Teil von ihr. Sie hat gelernt, mit sich selbst liebevoller umzugehen, ihre Talente zu sehen und ihre Einzigartigkeit zu schätzen.
Eifersuchtsstacheln spürt sie ab und zu noch, doch heute kann sie diesen Gefühlen mit ihrem neuen Partner begegnen. Gemeinsam haben sie gelernt, ehrlich und offen miteinander umzugehen.
Deine negativen Gedanken sind nur ein Teil von dir
Diese abwertenden Gedanken, die dich kleinmachen wollen, sind nur ein Teil von dir – sie sind nicht die Wahrheit. Löse dich von einem ständigen „zu viel“ oder „zu wenig“. Niemand bestimmt deinen Wert, außer du selbst.
Finde heraus, was dich einzigartig macht. Schau genau hin: Was sind deine Talente, deine Stärken? Ersetze die alten, irreführenden Gedanken durch neue Überzeugungen:
- „Ich bin wertvoll.“
- „Ich darf sein, wie ich bin.“
- „Ich bin genug.“
Eifersucht entsteht oft aus Angst, aber wenn du an deinem Selbstwert arbeitest, nimmst du dieser Angst die Grundlage. Du bist so viel mehr als das, was du über dich glaubst. Du bist genug, genauso wie du bist.
